Bilder in Zines und Magazinen: Warum Bilder angefasst werden wollen
#WeilBilderGezeigtWerdenWollen nutze ich ja nun schon länger als Hashtag und „Grund“ für viele meiner virtuellen Aktivitäten – sei es beim Virtuellen Bilderabend, im Podcast Bilder und Geschichten, bildertermine.de, bilderzeigen.de oder einfach beim Teilen meiner Gedanken und Aufnahmen hier im Blog.
Digitale vs. Print
Das Digitale liegt mir: es geht schnell, ist flexibel, braucht kaum physische Sachen, ist meist recht günstig und ich beherrsche die Werkzeuge ganz gut. Aber wenn ich ehrlich bin: Es ist auch ein Stück weit eine Notlösung.
Denn gedruckte Bilder sind nochmal etwas ganz anderes! Sie können angefasst werden, haben eine Struktur und leuchten nur durch das Papier und mit der richtigen Darstellung auch eine richtige „Präsenz“. In dieser Form zwingen sie einen fast dazu, sich Zeit zu nehmen. Und genau das fehlt im Digitalen oft – in Social Media wie Instagram total!
In einer Ausstellung oder von einem Buch kann ich Minuten lang auf ein Bild schauen und immer mehr Details oder andere Aspekte sehen. Das zeigt ja auch mein Podcast: Ein Bild hat sehr viel zu erzählen, meist noch sehr viel mehr als in 15 Minuten Podcast passen. Wie viele Millionen Bilder huschen nun über Handy-Displays weltweit und werden nur Bruchteile von Sekunden angeschaut – bestenfalls einige Sekunden mehr für ein Like oder einen Kommentar?
Warum Print einschüchternd sein kann
Gleichzeitig ist Print für mich persönlich nochmal eine ganz andere Liga. Digital bastele ich in der Regional-Liga – ein gedrucktes Buch ist definitiv Bundesliga: Es ist viel aufwendiger, braucht massig Zeit und Übung, erfordert viel mehr Know-how und ist (für mich) irgendwie auch einschüchternder. Mein eigenes Fotobuch-Projekt schiebe ich nun seit Jahren vor mir her – nicht mal der Anfang ist gemacht. Zu viele Fragen, zu viele Möglichkeiten – aber ich gebe auch zu: Zu viel Anspruch und Ehrgeiz bei mir.
Umso mehr freue ich mich über Menschen, die genau das können und auch einfach machen!
Zines im Kommen
In letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass in meiner Foto-Bubble immer mehr Zines und entstehen. Kleine, unabhängige Veröffentlichungen, oft mit viel Herzblut produziert.
- Ein Zine ist eine kleine, meist in limitierter Auflage und mit sehr freiem, persönlichem Charakter gedrucktes „Heft“. Gerade in der Fotografie ist das oft ein bewusst reduziertes, experimentelles Format, das schnell und unkompliziert umgesetzt werden kann – häufig als Risograph-Druck (digitaler Siebdruck mit bewusst „unperfekten“ Farbverläufen), Heimkopie auf normalem Kopierer oder als gefaltetes One-Shot aus einem Bogen. Der Druck ist meist sehr günstig und in kleinsten Auflagen möglich.
- Im Unterschied dazu ist ein Magazin ist in der Regel professioneller produziert, stärker redaktionell aufgebaut und auf ein regelmäßiges Erscheinen geplant. Es wirkt meist etwas sauberer, strukturierter und nutzt digitalen Offset-Druck oder Heftdruck mit geheftetem Rücken und besserem Papier – aber immer noch erschwinglicher als ein Fotobuch.
Ein Zine ist schneller, kostengünstiger und weniger komplex zu produzieren als ein Magazin oder gar ein Fotobuch. Es reichen oft auch weniger Seiten, einfache Verarbeitung oder komplizierten Schnitt – oft „as it comes“ gedruckt und selbst gefaltet bei lokalen Copy-Shops oder fertig gebunden bei einfachen Internet-Druckerei. Der Stückpreis liegt hier bei wenigen Euro pro Heft statt 20-50 Euro je Buch.
- zines.cool – Mach Ein Zine – Einfach Fast Anleitung
- Foto-Zine.de – Infos und Tauschbörse für Fotozines
- 5 Schritte zur Erstellung von Fotomagazinen & Fotobüchern (von Holger Gräber auf YouTube)
Beispiele aus meiner ‚Bubble‘
In den letzten Tagen hatte ich gleich zwei Zines hier bei mir in der Post:
‚ZINE 2026‘ vom RuhrCollective

Das RuhrCollective hat ein Streetphotography-Zine veröffentlicht, das genau das einfängt, was dieses Genre ausmacht: flüchtige Momente, klare Beobachtungen, starke Kontraste – und das von allen 8 Mitgliedern des Collectives.
Man merkt sofort, dass hier nicht einfach Bilder gesammelt wurden, sondern eine gemeinsame visuelle Sprache existiert.
- Dieses Zine ist auch das Begleitheft für die Ausstellung ab dem 5. Juni im Fotografie Forum Ruhr in Schwerte.
‚Reise der RolleiCord‘ des Freundeskreis

Und dann ist da noch das Zine aus dem Freundeskreis vom Podcast „Fotografie tut gut“ über die Reise einer RolleiCord. Diese Kamera wurde 1 ½ Jahren lang durch Deutschland und sogar die angrenzenden Länder geschickt und Fotos gemacht. Sogar aktuell soll die Kamera noch unterwegs sein.
Ein ganz anderer Ansatz – persönlicher, erzählerischer, fast schon dokumentarisch. Es geht nicht nur um Bilder, sondern um den Weg der Kamera, die Eindrücke der Nutzer:innen, die Emotionen, wobei die Highlights aber auch Tiefpunkte mit der Technik. Gesammelt wurden diese Geschichten im Forum des Freundeskreises durch die Mitglieder und bei einem Community-Treffen gab es sogar eine kleine Ausstellung der Ergebnisse. Also ein Heft voller Emotionen.
Danke Sascha Riemer, der diese digitalen Aufzeichnungen nun in ein Zine gebracht hat. Nicht nur fühlt es sich ganz anders an, die Bilder in dem Heft zu sehen – so sind diese Geschichten nun auch der Nachwelt erhalten!
- Das Zine ist nur für die Mitglieder des FTG Freundeskreis und kann nicht mehr bestellt werden.
- Die Ergebnisse des Stopps der RolleiCord bei mir könnt ihr übrigens auch hier im Blog finden.
Nachteil des Digitalen
Ein weiterer Nachteil des Digitalen zeigt sich gerade im Freundeskreis: Hier ist derzeit einiges im Umbruch, und der langfristige Erhalt der Inhalte ist nicht gesichert. Die Inhalte existieren nur, wenn die Community weiter betrieben + gepflegt wird und vor allem der technische Anbieter des Forum-Systems mit Geld versorgt wird. Am Ende hängt es (wie auch bei allen riesigen Social-Media-Netzwerken) an den Entscheidungen Einzelner, wie es weitergeht und was mit den eigenen Inhalten passiert. Schlimmstenfalls gibt es eine Umstellung – und alles ist weg.
Ein Druck verschwindet nicht einfach so und wartet geduldig auch ohne Strom und ohne besondere Pflege im Regal oder Karton darauf, irgendwann wieder in die Hand genommen zu werden und in den Erinnerungen zu schwelgen.
Jetzt Zines kaufen und selber ein Zine machen
Und vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, selbst ins Tun zu kommen. Es muss kein perfektes Fotobuch sein, kein durchgeplantes Großprojekt. Ein kleines Zine, eine lose Serie, ein einfacher Print – für ganz privat, für einen kleinen Kreis oder für die eigene kleine Bubble – all das reicht, um Bilder aus der eigenen Festplatte in die Welt zu holen. Bilder gewinnen, wenn sie gesehen werden. Und oft braucht es nur diesen einen Schritt, sie tatsächlich zu zeigen.
#WeilBilderGezeigtWerdenWollen bedeutet aber auch nicht nur, selbst zu veröffentlichen. Es bedeutet auch, andere sichtbar zu machen, ihre Arbeit wertzuschätzen, sich inspirieren zu lassen und auch andere zu unterstützen.
Wenn ihr die Möglichkeit seht, ein ZINE für einige Euros zu kaufen – das TUT DAS DOCH AUCH!
Der Herausgeber hat so die Möglichkeit, seine Auflage auch verkauft zu bekommen, ggf. sogar in höherer (und damit meist kostengünstigerer) Auflage zu drucken und hat natürlich das tolle Gefühl, dass seine Arbeiten auch gesehen und wertgeschätzt werden.
Weitere Zines
- Gerade als ich dieses Post hier schreibe sehe ich das Dennis Gloth auch ein neues Heft seiner ‚MOMENTS‘ Reihen veröffentlicht hat. Es geht diesmal um Markokko, in dem Heft davor um Japan. Das Zine kann für 7.50€ (zzgl. 2.20 € Versandkostenpauschale) bei Dennis bestellt werden.
- Auch heute erst gesehen habe ich das Andreas Usenbenz sein erstes ZINE names ‚TAKES‚ herausgebracht hat. Das Heft könnt ihr bei Ihm für 15 Euro erwerben.
- Erwähnen möchte ich hier auch noch das ZINE ‚Gedanken zur Fotografie‘ von Erik Schlicksbier das es schon in 5 Ausgaben gibt. Es kann jeweils für 4.90€ zzgl. Porto bei Erik bestellt werden.
Im Virtuellen Bilderabend Folge 19 hat uns Erik Schlicksbier ganz viele Informationen über das Erstellen von Zines und Fotobüchern gegeben – vom Druck bis zum Crowdfunding.
Magazine und Ausstellungen
Erwähnt sei hier aber auch noch privat erstellte ‚Foto-Magazin‘ die immer mehr im kommen sind. Z.B.
- Ausblicke – Ostbayrisches Magazin für visuelle Kultur
- In between Moments – Das Magazin wird ganze neu Erscheinen als Zusammenschluss aus Le Magazin und Meet the Street
- Blickwinkel Magazin – Magazin für Fotografie aus Köln
Wenn dich das Thema Ausstellen und Zeigen von Bildern noch tiefer interessiert: In einer Sonderfolge meines Podcast habe ich gemeinsam mit Uwe Rosik und Stefan Kuhn darüber gesprochen wie es ist eine Bild in einer Ausstellung zu zeigen – über Wege, Hürden und warum es sich lohnt, Bilder aus dem digitalen Raum herauszuholen.





6 Kommentare zu “#WeilBilderGezeigtWerdenWollen – Und gedruckt!”
Hallo Michael,
sehr schöner Artikel. Seine Bilder oder überhaupt Bilder gedruckt zu sehen, ist noch mal etwas ganz Besonderes. Ich kann jedem ermutigen, es mal zu versuchen. Dabei würde ich auch empfehlen, nicht zu perfektionistisch vorzugehen, sondern sich von dem Projekt treiben zu lassen. Sowieso sollten wir bei der Fotografie zwischen all dem Perfektionismus und technischen Spielereien den Spaß nicht vergessen. Ein Zine zu erstellen kann richtig Freude machen, wenn man sich nicht zu verkopft.
Das Video mit Erik Schlicksbier beim Bilderabend ist übrigens eine tolle Zusammenfassung!
Michael, wärst du nicht die perfekte Adresse, um erschienen Zines aufzulisten? 😉
LG
Sascha
Danke dir Sascha für deinen Kommentar und den Rat es nicht zu perfektionistisch anzugehen. Ich werde versuchen das zu beherzigen – vielleicht gibt es hier dann auch mal ein Zine zu kaufen 🙂
Du kannst mich doch nicht einfach auf so ein Idee bringen mit einer Zine-Webseite! Du weisst doch sowas mache ich nachher auch noch . Zum Glück war hier jemand schneller und es gibt die Seite https://Foto-Zine.de mit einem virtuellen Ausstellungsraum für Zines. Hier könnte zwar noch mehr Zines aufgelistet sein, aber das kann ja noch werden! Die Seite ist sogar im FediVerse verfügbar!
Gruss Michael
Eine interessante Seite. Hab ich mir direkt mal gemerkt. Danke für den Hinweis!
Affinity2 wird als Layout-Programm empfohlen. Leider gibt es das nicht mehr zu kaufen! Statt dessen kann man das Programm umsonst gebündelt mit anderen Affinity-Programmen runterladen. Das ist aber so bunt und für mich verwirrend vielfältig, dass ich zunächst ohne präzise Anleitung nicht zurecht komme.
Vielleicht kann mir jemand ein anderes, für den Anfänge in dieser Sparte einfach zu händelndes Empfehlen?
Hallo Michael,
vielen Dank für deinen Artikel. Auch ich arbeite zurzeit ein meinem ersten Zine, weil ich das Format sehr spannend finde.
Es gibt so viele kreative Möglichkeiten und keine wirklichen Regeln um seine Ideen umzusetzen. Der Faktor Geld spiel ebenfalls keine allzu große Rolle, den auch mit schmalem Budget lassen sich Zines produzieren.
Die Software ist kostenlos und der Druck viel günstiger als man denkt.
[…] Bilderabend“ mit dem Hashtag #WeilBilderGezeigtWerdenWollen, hat kürzlich einen schönen Artikel über Zines auf seinem Blog Auf-Kurztrip.de veröffentlicht. Mit seinen Projekten ermutigt Michael […]