Nach 20 Wochen podcasten: Zahlen, Learnings und warum ich sehr zufrieden bin
Mein Podcast „Bilder und Geschichgten‘ ist inzwischen schon 20 Wochen alt und 20 Episoden (bzw. 23 Veröffentlichungen) lang. Das sind inzwischen 466 Minuten bzw. 7.77 Stunden! Das freut mich total und ich denke, somit habe ich einen wichtigen Meilenstein erreicht, den vermutlich viele Podcast-Neustarter nicht sehen. Also ein Grund, hier mal etwas zu feiern, auf die Zahlen und meine Learning zu schauen.
Erfolgreich?
Eine Frage, die sich ja immer recht schnell stellt: “Ist dieses Projekt erfolgreich?”
Und bei dieser Frage tue ich mir immer schwer, da ich viele meiner Projekte einfach starte. Weil ich Lust darauf habe es auszuprobieren und ich mir gar kein echtes Ziel gesetzt habe. So war es hier mit dem Blog oder beim virtuelle Bilderabend, bei bildertermine.de, bei bilderlinks.de, bilderzeigen.de….
Ich wollte bloggen. Ich wollte streamen. Ich wollte ein Problem lösen. Und diesmal wollte ich halt einen Podcast hosten und machen.
Nicht, weil ich direkt ein großes Ziel vor Augen hatte oder den grossen Erfolg erwartete, sondern weil ich wissen wollte, wie das technisch und organisatorisch funktioniert, was es alles dazu an Know-How braucht, wie viel Arbeit dahintersteckt und wie sowas ggf. über die Zeit laufen kann.
Oft fällt mir erst sehr viel später auf, wenn das Projekt etabliert ist, und so auch eine regelmäßige (Pflicht-)Aufgabe daraus wird, dass ich keinen Plan habe, was ich eigentlich erreichen will, wo vielleicht der Endpunkt des Projektes ist und warum ich das eigentlich mache.
Dann kommt leider oft die Phase, dass ich anfange, mich mit anderen (meist viel viel größeren und erfolgreicheren) Bloggern, Streamern, Podcastern etc. zu vergleichen, und dann schnell gefrustet feststelle, dass meine Zahlen schlechter sind. Dies ist dann meistens der Punkt, wo ich am Projekt und dem Sinn zweifele. Irgendwann verstehe ich dann aber, dass diese Zahlen nur mit viel mehr Aufwand in Marketing, Posten, Teilen etc. zu erreichen wäre und bin dann irgendwann fein damit über das, was ich mit meinem investierten Aufwand und Engagement erreicht habe.
Ja, und beim Podcast ist es nicht anders. Ihr werdet es schon herauslesen, dass mit einer solchen Planlosigkeit das Verdienen von grossen Geld bei so einem Projekt keinesfalls im Mittelpunkt steht kann. Da müsste ich ganz anders starten. Aber ich freue mich natürlich schon, wenn so ein Projekt Bestätigung durch positives Feedback bekommt und es mir so einfach nochmal doppelt Spaß macht.
Zahlen, Bitte!
Aber ich will die Zahlen hier nicht auslassen — vor allem da bei Podcastern hier oft ein Geheimnis raus gemacht wird. Vielleicht kann ich mit meinen bescheidenen Zahlen ja auch andere Neulinge motivieren bei Ihrem Podcast-Projekt.
Mein Webserver
Aktuell wird jede neue Folge in der ersten Woche nach Veröffentlichung etwa 75 bis 100 Mal von meinem Server heruntergeladen. Das ist für mich schon eine grandiose Zahl, auf die ich echt stolz bin, weil sie zeigt: Da gibt es Menschen, die wirklich ‚einschalten‘. Ich vermute mal, dass 2/3 dieser Downloads Personen sind, bei denen der Podcast in der Podcatcher-App gefolgt wird und so regelmäßig auf deren ‚Display erscheint. Leider kann ich nicht sehen, ob diese Downloads dann auch angehört werden.

Apple Podcast
Rund 35 % nutzen Apple Podcasts, um mir zu folgen – Bei Apple erhalte ich auch eine genauere Statistik die ich mir anschauen kann. Diese sagt, dass ich 43 ‚Follower:innen‘ habe. Zusätzlich zeigt Apple mir, dass ich 72 ‘treue Hörer:innen und Hörer’ habe — also Menschen bzw. Geräte, die mindestens 40 Prozent einer Folge angehört haben — plus weitere Hörer:innen und Hörer, die zumindest hineingeschnuppert haben. Das ist für mich eine spannende Zahl, weil das bedeutet, dass über 2/3 der Hörer:innen hier meine Folgen nicht nur vom Server laden, sondern sich auch wirklich anhören.
Für einen vergleichsweise jungen Podcast ist das ziemlich stark.

Spotify
Auch Spotify liefert interessante Einblicke. Da Spotify sich meinen Podcast ‚klaut‘ und auf ihren eigenen Servern seinen Usern zur Verfügung stellt, sehe ich diese Abrufen nicht bei mir. Spotify hat hier eigene Daten und Analyse: Diese sagen, ich habe dort 30 Follower und 64 ‘Personen im Publikum’. In der ersten Woche sind dies meistens ca. 10 Hörer:innen je Episode, die dann über die Zeit mehr werden. Diese Download-Zahlen würden so noch zu den Downloads kommen, die ich auf meinem Server hier sehe.
Zusätzlich kann Spotify mir aber sagen, wer zuhört und wie sich die Hörerschaft zusammensetzt. Besonders freut mich dabei die Zusammensetzung der Hörerschaft. Etwa 33 Prozent der Hörer sind weiblich und 65 Prozent männlich. Das ist für mich wichtig, weil ich den Podcast bewusst divers halten möchte. Zu Beginn lag der Männeranteil hier noch bei 87 Prozent — was ziemlich gut zum (gefühlten) Bild in der Fotobubble passt. Auch die Altersverteilung ist interessant: Gut die Hälfte der Hörer:innen ist zwischen 45 und 59 Jahren alt, weitere gut 20 Prozent sind 60+. Meine eigene Altersgruppe ist dagegen mit 8,6 Prozent eher schwach vertreten. Hier würde ich gerne noch jünger werden.

Ich bin sehr froh, dass der Großteil der Hörer:innen meinen Podcast direkt ‘bei mir’ auf meinem Server lädt und nicht bei der geschlossenen Plattform Spotify. Ich bin immer wieder am überlegen ob ich mich nicht bei Spotify abmelde da ich deren Politik nicht mag. Andererseits sind Sie (vermutlich wegen dieser Politik) der größte Podcast Anbieter in DE.
YouTube und MakerTube
Auf YouTube werden die Videos in den ersten Tagen ca. 30 mal angeklickt. Aber nur 10 % schauen sich die Episode auch wirklich länger als ein paar Minuten an. Im Fediverse auf MakerTube gibt es 1-3 Klicks, wenn es gut läuft.
Da diese Videos recht viel Aufwand machen, bin ich noch stark am Überlegen, dies hier wieder einzustellen.
👉 Wenn ihr eine Meinung zu den Videos habt, schreibt es doch bitte in die Kommentare hier.
Was ich aus den Zahlen lese
Viele Zahlen und das heisst jetzt? ICH BIN SAU ZUFRIEDEN!
Das sind super gute Zahlen, die ich mir niemals erträumt hätte zum Start. Soviele hören meinen Gästen und mir zu – das ist schon recht unglaublich. Damit gehöre ich als Neu-Podcast auf jeden Fall zu den erfolgreicheren! Wie gesagt, hier helfen mir so gut wie keine Algorithmen und der Podcast muss organisch wachsen! Im PodScore (ein Indikator, der die Beliebtheit und Relevanz eines Podcasts aus den Zahlen von Apple und Spotify misst) bin ich in der Kategorie ‚Bildende Kunst‘ (hier befinden sich fast alle Foto. Podcast mit Fotopodcast, Happy Shooting, Fotografie tut gut oder Abenteuer Reportage Fotografie) in der Top 200 und öfter sogar in der Top 100. Das ist Wahnsinn!

Aber ich habe auch ein grosses schwanken in den Zahlen. Die Tendenz der Download ist grade eher rückläufig. Das hatte ich nicht erwartet da ich ja halt Algorithmus unabhängig bin und ich eigentlich ein, zumindest kleiner, kontinuierlichen Anstieg erwartet haben. Aber ich verliere halt auch Zuhörer.
Aber das was ich mir ausgedacht habe funktioniert und macht auch nach 20 Episoden noch Spaß!
Hintergrund des Podcasts
Warum das Konzept so wichtig ist
Ich bin sehr froh, dass ich mir vor dem Start lange Gedanken gemacht habe, was für einen Podcast ich eigentlich machen will. Vor allem bin ich sehr froh, dass ich mich bewusst gegen ein Format mit aktuellen Inhalten entschieden habe.
‚Bilder und Geschichten‘ ist absichtlich so angelegt, dass es keine Zeitbezüge oder aktuelle Themen braucht. Das hat einen riesigen Vorteil: Ich kann Episoden vorproduzieren und kann dadurch Dienstags vor Veröffentlichung entspannt sein. Ich habe keinen Produktionsdruck. Aktuell habe ich meist einen bis zwei Monate Vorsprung im Content. Gerade bei einem wöchentlichen Format ist das Gold wert, weil ich nicht dauernd unter Zeitdruck gerate.
Mit meiner Gastin nehme ich meistens zwei Episoden auf einmal auf. Dadurch brauche ich im Grunde nur zwei Talk-Sessions pro Monat für den Podcast — und das ist für mich ein sehr gut machbarer Rhythmus. Auch die Länge von 15 bis 20 Minuten passt prima: kurz genug für ein interessantes Format, aber lang genug um etwas zu erzählen – und der Produktionsaufwand ist überschaubar. Denke, mit dieser Länge habe ich in der deutschen Fotopodcast-Landschaft auch eine kleine Nische gefunden.
Gäst:Innen und Vielfalt

Ich freue mich sehr darüber, dass ich nicht nur viele Hörerinnen und Hörer erreiche, sondern auch viele unterschiedliche Gäst:Innen im Podcast habe. Vor allem möchte ich weiterhin darauf achten, dass auch Fotografinnen (und gerne auch alle diverse fotografierenden Personen) sichtbar werden.
Ich will ganz bewusst kein Podcast sein, in dem nur alte weiße Männer über Fotografie reden. Das gibt es leider zu viel in der Podcast-Welt. Und ja, ich zähle mich inzwischen auch dieser Gruppe mit dazu.
Gerade deshalb finde ich es wichtig, andere Perspektiven einzuladen. Fotografinnen bringen oft andere Erfahrungen, andere Schwerpunkte, einen emotionaleren Zugang zur Fotografie und oft auch bessere Geschichten mit. Das macht die Gespräche oft noch interessanter, offener und spannender. Fotografen reden halt sehr gerne über ihre Kameras und Objektive – Themen, die ich ja gar nicht im Podcast haben möchte.
Deshalb sage ich es auch hier noch einmal ganz direkt: Fotografinnen, bitte meldet euch mit euren Bilder bei mir!
Die Arbeit dahinter
Von außen klingt ein 20-Minuten-Podcast erstmal locker. In Wirklichkeit steckt aber einiges mehr Arbeit dahinter, als 20 Minuten Gerede aufzunehmen. Ich würde sagen: Auf eine veröffentlichte Episode kommt locker das vier – bis fünffache an Aufwand.
Es beginnt mit der Aufnahme und endet lange nicht beim letzten Satz. Danach kommen Schnitt, Bearbeitung, Probehören, Covergrafiken, Kapitelbilder, Shownotes, Upload und Veröffentlichung. Inzwischen gehört auch noch das YouTube-Video noch dazu, das gerendert und hochgeladen werden will. Und wenn dann noch die Werbung auf Social Media dazukommt, ist das Ganze eigentlich schon eine kleine Produktionskette.
Trotzdem mache ich das bewusst mit mehr Aufwand als notwendig. Kapitelbilder, Episodenbilder, Transcript und viele Links in den Shownotes sind Dinge, die bei Podcasts leider nicht selbstverständlich sind. Für mich machen sie aber einen Unterschied, weil sie die Folge wertiger, auffindbarer und nutzerfreundlicher machen.
Dazu kommt: Ich schneide auch viele ‘Ähms’, Übersprecher und ähnliche Störungen heraus. Das kostet Zeit, aber ich finde, es lohnt sich. Ich möchte, dass der Podcast nicht nur gut gemeint, sondern auch gut gemacht ist. Win paar ‚Ähms‘ lasse ich übrigens auch drin damit es nicht wie KI generiert klingt 😉
👉 Genau deshalb würde mich auch dein Feedback dazu interessieren: Lohnt sich dieser Mehraufwand aus Hörersicht?
Technik und Kosten
Was ich an Software und Dienstleistern nutze, hatte ich hier im Podcast ja bereits einmal hier im Blog beschrieben. Vieles betreibe ich selber, aber einiges davon kostet halt auch Geld.
Ein großer Helfer ist für mich Auphonic. Der Dienst hat mir schon enorm viel Arbeit abgenommen und viele problematische Tonspuren gerettet. 12 Euro kosten hier 5 Stunden Ton verbessern, heißt die Kosten einer Episode liegen hier bei unter 1 Euro. Das ist eine sehr sinnvolle Investition.
👉 Hier könnt ihr mich dem Kauf einiger Credits bei Auphonic übrigens direkt unterstützen.
Auch StudioLink, die Lösung mit der ich meine Gäste in den Podcast hole, kostet mich in der Web-Lösung monatlich 5 Euro. Es würde in der Software-Lösung zwar auch kostenlos gehen, aber die Webversion ist deutlich zuverlässiger und einfacher als der Client. Die Verbindung mit Gästen klappt hiermit wesentlich stressfreier.
Das Hosting auf meinem Webserver läuft parallel zu all meinen anderen Projekten. 11 Euro im Monat sind da kein Geld. Insgesamt bin ich mit meiner selbst gehosteten Lösung noch günstiger als bei einem Podcast-Dienstleister. Wenn man meine Arbeitszeit nicht rechnet…
Als Hoster für Podcast habe ich einiges gutes von letscast.fm gehört. Ein deutscher Anbieter. Uwe Rosik nutze diesen für seinen Podcast.
Kein Video
Zwischendurch habe ich auch mit Online-Podcast-Lösung Riverside geliebäugelt, vor allem wegen der Video-Möglichkeiten. Ich habe damit die Sonderfolge mit Uwe und Stefan aufgenommen. Die Oberfläche und besonders der Preis (24 Euro im Monat!) haben mich aber nicht komplett überzeugt.
Dass ich ohne Video arbeite, hat sich auch sehr gut sogar bewährt. Der Gast und ich sehen uns auch während der Aufnahme nicht, was den Fokus ganz klar auf das Gespräch legt. Der Nachteil: Übersprecher sind häufiger. Zu zweit ist das noch gut handelbar, mit mehreren Gästen wäre das schwieriger. Und es wird so keine Videos mit ‚Talking Heads‘ geben – dies würde meine Produktion aber auch erheblich erschweren.
Unterstützung und Feedback

Besonders gefreut habe ich mich auch über die Unterstützung bei ‚
Buy Me a Coffee‚. Dort ist inzwischen 25 Euro zusammengekommen, was ich ehrlich gesagt nie erwartet hätte. Vielen Dank an Gustav, Sascha und Thomas die mich dort unterstützt haben.
Ich freue mich aber auch sehr über das Feedback. Hinterlasst gerne viele Kommentare beim Podcast oder bei den Diensten und schreibt mir gerne mal ein Nachricht.
Ich habe immer so viele Fragen im Kopf beim Veröffentlichen, die mich beschäftigen: Hört man den Podcast gerne? Sind die Shownotes hilfreich? Bringen die Kapitelbilder etwas? Macht die Mischung aus Gespräch, Fotografie und Hintergrundstory Spaß?
👉 Solche Rückmeldungen helfen mir, den Podcast weiterzuentwickeln. Schreibt es gerne in den Kommentare!
Meine Ziele
Hab ich den jetzt Ziele?
Ja – Mein wichtigstes Ziel ist nun, ein Jahr durchzuhalten und bis dahin 50 Episoden produziert zu haben. Dabei möchte ich thematisch so breit wie möglich bleiben und weiterhin viele verschiedene Fotografen und Fotografinnen einladen. Ziel wäre min.- 40% Fotografinnen als Gäste
Bei den Downloads wünsche ich mir eine kleine, aber kontinuierliche Entwicklung nach oben. Ein Jahresziel von 120 Downloads in der ersten Woche plus Spotify und YouTube wäre für mich schon ein sehr gutes Ergebnis.
PodCamp

Am 20. Juni bin ich übrigens beim PodCamp in Düsseldorf (den Freitag schaffe ich leider nicht oder erst spät). Dort hat vor einem Jahr für mich alles angefangen. Ich habe dort viele Ideen mitgenommen, und spätestens da war für mich klar, dass ich einen Podcast starten will. Es war einer dieser Momente, in denen aus einer Idee ein Plan wird.
Ich würde übrigens gerne dort eine Podcast-Folge aufnehmen und eine Bild und eine Geschichte vom PodCamp vorstellen. Wer hat Lust mitzumachen?
Wenn du bis hierhin gelesen hast, dann gehörst du vermutlich zu den Menschen, die echtes Interesse an diesem Projekt haben. Und solche Menschen machen solche Ideen am Ende überhaupt erst möglich und sinnvoll.
DANKE DAFÜR!




